Was ist ein Stressinterview?

In vielen Fällen ist ein als Stress erlebtes Bewerbungsgespräch in Wirklichkeit gar kein Stressinterview gewesen, sondern man hatte es mit unsicheren Interviewern zu tun, die ihre Unsicherheit hinter ihrer formalen Machtstellung im Vorstellungsgespräch verbergen wollten. Ein solcher Missbrauch der Machtposition von Interviewern kann durch unsere auf den nächsten Seiten vorgestellten Tipps und Tricks zur Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch aufgefangen oder mitunter von vornherein ganz ausgeschlossen werden.

Ein echtes Stressinterview ist in der Regel gar nicht über die gesamte Gesprächsdauer stressig, sondern nur in ganz bestimmten, einzelnen Momenten. Stellen Sie sich ein Vorstellungsgespräch wie ein Spiel vor. Die eine Seite versucht etwas vorzuspielen, die Wahrheit zu beschönigen und negative Aspekte zu verdecken. Die andere Seite versucht die kleinen Täuschungsmanöver zu erkennen und die Wahrheit ans Tageslicht zu befördern. Dazu dient der unerwartete Augenblick des Stresses. Wenn es gelingt, den Bewerber durch eine unangenehme Frage oder eine gezielte Provokation in eine akute Stresssituation zu bringen (Ohrenrauschen), verhindern die einsetzenden physiologischen Vorgänge für mehrere Sekunden, dass der Bewerber klare, überlegte Gedanken fassen kann. Direkt im Anschluss an die ausgelöste Stresssituation wird die Frage gestellt, auf deren wahrheitsgemäße Beantwortung es dem Interviewer eigentlich ankommt und die selber gar keinen Stress auslösen muss. Aber das Gehirn des Bewerbers ist ja noch mit Stresshormonen überflutet. Es wird ihm in den nächsten Sekunden kaum gelingen, sich eine plausible Verschleierung der Wahrheit einfallen zu lassen und diese dann auch noch glaubhaft vorzutragen. Der Interviewer erfährt die Wahrheit und hat das „Spiel“ gewonnen! Oder?

 

Wie reagiert man auf Stressfragen am besten?

Aus der Beschreibung des Vorganges können Sie schon die richtige Reaktion für den Bewerber erkennen: sich Zeit lassen! Überbrücken Sie die Sekunden des Stressmomentes, indem Sie nicht sofort auf die nachgeschobene Frage antworten. Gewinnen Sie Zeit: Denken Sie ein paar Sekunden in aller Ruhe nach, bevor Sie langsam und mit Bedacht antworten. Bitten Sie den Interviewer um die Wiederholung seiner letzten Frage (!) oder fassen Sie die letzte Frage selber langsam und rückfragend zusammen: "... habe ich Sie richtig verstanden, dass Sie von mir wissen möchten,..." So kommen Sie aus den gefährlichen Stresssekunden sicher heraus, gewinnen Ihren klaren Verstand zurück und können überlegt und vielleicht sogar überlegen antworten. Der Stress-Trick verliert schnell seine Wirkung und der Interviewer wird wahrscheinlich im weiteren Bewerbungs-Interview ganz auf seine bei Ihnen nicht funktionierende Technik verzichten.

 

Grundsätzliches

Bei aller Unterschiedlichkeit der Vorstellungsgesprächsstile geht es bei den Interviews schwerpunktmäßig darum, Sie als Person kennenzulernen. Die Fakten aus der schriftlichen Bewerbung und dem Lebenslauf sind grundsätzlich akzeptiert - anderenfalls hätten man Sie gar nicht eingeladen. In diesen Punkten brauchen Sie also keine Überzeugungsarbeit mehr zu leisten. Dennoch wird man Sie auf die schon bekannten Fakten ansprechen, typischerweise Sie zu Beginn des Bewerbungsgesprächs Ihren Lebenslauf erzählen lassen, denn man möchte Sie reden lassen, um zu hören und zu sehen, was für ein Mensch Sie sind, wie Sie sich verhalten, wie Sie sich verkaufen und auf schwierige Fragen reagieren. Es sind viele der schwer fassbaren “weichen Faktoren” (Belastbarkeit, Motivation, Anpassungsfähigkeit, Eigeninitiative, Teamfähigkeit, emotionale Intelligenz, Führungstalent, Kommunikationsfähigkeit, Eloquenz ...) – die sogenannten “Soft Skills” – wie auch die passende “Chemie”, die man im Vorstellungsgespräch klären möchte.

 

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