Das Motivationsschreiben

Die dritte Seite

Vereinzelt findet man in Bewerbungen eine als dritte Seite oder als Motivationsschreiben benannte Ergänzung zum Lebenslauf und zum Bewerbungsanschreiben.

Meiner Meinung nach trifft die Bezeichnung Motivationsschreiben dafür nicht zu, weil meine Erfahrung ist, dass die dritte Seite praktisch nie zur Erläuterung irgendeiner nachvollziehbaren Motivation genutzt wird, sondern fast ausschließlich für nicht enden wollende Aufzählungen aller nur denkbar hervorragender Eigenschaften, die der Bewerber eher wahllos zusammengetragen hat.

Dahinter steht wohl die Hoffnung, dass sich die Recruiter aus dem Motivationsschreiben auf der dritten Seite schon irgendwelche Begriffe heraussuchen werden, die ihnen gerade passen. Doch mit einer solchen Annahme liegt man fernab jeglicher Realität. Persönlichkeiten haben Ausprägungen – Neigungen, Befähigungen, Stärken und Schwächen. Wohl kein Mensch kann alles, hat Neigungen und Befähigungen zu allem, vereinigt alle nur denkbaren positiven Eigenschaften und Stärken auf sich und ist völlig frei von Schwächen.

Solch überzogene, völlig unglaubwürdige Selbstbeweihräucherung im Motivationsschreiben schadet eher, als dass sie nutzt. In meiner langjährigen Rekrutierungspraxis habe ich nie erlebt, dass auch nur ein einziges Motivationsschreiben / nur eine einzige dritte Seite ernst genommen worden wäre. Im Gegenteil. Übertriebene Selbstdarstellung im Motivationsschreiben lässt umso mehr nach verschleierten Schwächen suchen. Und wer sucht, der findet.

Daher mein persönlicher Rat: Verzichten Sie auf eine solche mit negativen Erfahrungen belegte dritte Seite. Sie war bei ihrer Einführung sicherlich gut und sinnvoll und im Übrigen ganz anders gemeint, aber wiederholter Fehlgebrauch als falsch verstandenes Motivationsschreiben hinterlässt generelle Makel.

Wer seine tatsächliche Motivation für die Stelle ausdrücken will und wirklich Authentisches über sich zu sagen hat, sollte das nicht im Motivationsschreiben oder der dritten Seite, sondern im Bewerbungsschreiben tun (siehe meine dortigen Ausführungen). Erläuterungen zum Lebenslauf, der ursprünglichen Sinngebung der dritten Seite, werden am besten direkt im tabellarischen Lebenslauf platziert. Dafür reichen kurze Hinweise an der jeweils passenden Stelle völlig aus - verzichten Sie im Lebenslauf auf weitschweifige Ausführungen. Wenn man als Recruiter vernimmt, dass es für eine kritische Situation im Lebenslauf eine plausible Begründung gibt, reicht diese Botschaft bis zum Vorstellungsgespräch aus. Dort kann man sich bei Bedarf die Hintergründe näher erläutern lassen.

Mein Resümee: Kein Motivationsschreiben, keine dritte Seite. Werten Sie dafür lieber Ihren Lebenslauf und Ihr Bewerbungsanschreiben mit wirklich nützlichen Zusatzangaben auf.

>> Das Arbeitszeugnis


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