Bewerbungsstrategie bei drohender Arbeitslosigkeit

Bewerbung, Arbeitslosigkeit, Kündigung, befristeter JobArbeitslosigkeit kommt zumeist nicht überraschend. Wenn Sie nicht fristlos gekündigt wurden, gibt es zumindest eine Kündigungsfrist oder die Restlaufzeit eines befristeten Anstellungsvertrags.

Von dem Moment an, wo Sie wissen, dass Ihre Beschäftigung enden wird, sollten Sie aktiv werden.

Zu allererst müssen Sie sich unmittelbar nach einer Kündigung bei der Agentur für Arbeit arbeitslos melden. Das ist anders als früher, wo es ausreichte, sich am ersten Tag der Arbeitslosigkeit zu melden. In befristeten Beschäftigungsverhältnissen müssen Sie sich auch ohne Kündigung spätestens drei Monate vor Ablauf der Befristung arbeitslos melden.

Auf geht’s zur Suche nach einem neuen Job. Von diesem Moment an gilt es unterschiedlichen Anforderungen zugleich gerecht zu werden.

Der Staat, vertreten durch die Agentur für Arbeit, erwartet zu Recht, dass Sie alles tun werden, um ihm nicht oder nicht länger als unbedingt nötig auf der Tasche zu liegen. Auch die Arbeitslosenversicherung ist ein Umlagesystem. Sie würden also nicht etwa Ihr eigenes Angespartes aufzehren, sondern von den Geldern der aktuellen Beitragszahler der Arbeitslosenversicherung leben. Diese Versichertengemeinschaft möchte der Staat vor unnötigen Belastungen schützen. So sichert er die Zahlungsfähigkeit für die tatsächlich bedürftigen Arbeitslosen.

Ihr Interesse wird es wahrscheinlich sein, z.B. nachdem Sie gekündigt wurden, wieder mindestens einen so guten Job zu bekommen, wie der, den Sie gerade verloren haben – vielleicht sogar einen besseren, wenn Sie höher qualifiziert sind oder schon einmal einen solch besseren Job hatten.

Diese beiden Anforderungen können bereits im Konflikt zueinander stehen. Wenn es z.B. wesentlich länger dauern würde, den Wunschjob zu finden, ginge das zulasten der Versicherungsgemeinschaft, die Sie dafür ja in der Arbeitslosigkeit länger als unbedingt notwendig finanziell unterstützen müsste. Würden Sie hingegen schnell den erstbesten Job annehmen, wäre das wahrscheinlich nicht Ihr Wunschjob, sondern nur eine Notlösung.

Und es gibt es noch einen weiteren Aspekt. Einmal in der Arbeitslosigkeit angekommen, verringert sich zumeist die Bewerber-Attraktivität für die potenziellen Arbeitgeber. Der Effekt mag anfangs noch gering sein, aber er steigert sich in der Regel mit der Dauer arbeitslos zu sein. Ab einem Jahr ohne Job gilt man als Langzeitarbeitslos. Dort angekommen ist Ihr „Marktwert“ als Bewerber inzwischen auf ein Minimum geschrumpft, so dass es sehr schwer wird, überhaupt noch einen Job zu bekommen, geschweige denn seinen Wunschjob. Und ein Jahr geht schnell herum.

So ist seit der Wirksamkeit der Agenda 2010 (Hartz IV) die Arbeitslosenquote zwar stark zurückgegangen, trotz aller Eingliederungshilfen die Quote der Langzeitarbeitslosen aber nur gering.

Was also tun? Es gibt einen guten Grund, sich nach einer Kündigung oder bei einem befristeten Job auf die Such nach dem Wunschjob zu konzentrieren und zwei zwingende Gründe, überhaupt einen Job anzunehmen, egal welchen.

Wenn Sie zeitlich dicht vor der Arbeitslosigkeit stehen, z.B. einen Monat oder zwei bei kurzer Kündigungsfrist, sollten Sie in Ihrem eigenen Interesse erst einmal irgendeinen Job annehmen. Natürlich können Sie sich auch auf Ihren Wunschjob bewerben – vielleicht haben Sie ja schnelles Glück – aber beschränken Sie Ihre Bewerbungsaktivitäten nicht darauf. Das allererste Ziel sollte es in der Situation sein, nicht in den Abwärtssog der Arbeitslosigkeit zu geraten. Denken Sie auch an Tätigkeiten, die nicht Ihrer Berufsausbildung entsprechen oder unter Ihrem Niveau liegen, für die Sie aber grundsätzlich in Frage kämen. Auch auf Angebote der Zeitarbeit sollten Sie sich bewerben. Dort ist die Eintrittshürde in ein Beschäftigungsverhältnis meistens niedriger. In einem schnellen Job angekommen, können Sie sich dann immer noch ohne Druck und in Ruhe um Ihren Wunschjob bewerben. Dass Sie vielleicht eine Tätigkeit unter Ihrem Niveau ausüben, wird Ihre Bewerbungs-Chancen dafür nicht mindern, im Gegenteil, beweisen Sie doch gerade ein hohes Maß an Initiative und dass Sie sich nach einer Kündigung nicht zu schade sind, alles zu tun, um Ihre Situation zu verbessern. Vielleicht gibt es aber auch die Möglichkeit, sich bei dem neuen Arbeitgeber zu beweisen und beruflich weiterzuentwickeln. Manchmal muss man einen Schritt zurückgehen, um von dort aus wieder besser vorankommen zu können.

Haben Sie einen größeren Zeitpuffer bis zu einer drohenden Arbeitslosigkeit, könnte es vertretbar sein, sich zunächst auf Bewerbungen um Ideal-Jobs zu beschränken. Doch Vorsicht, für viele wird das Vorgehen mit der Zeit zu einer Falle, die sie in die Arbeitslosigkeit führt. In Deutschland ist die Vorstellung verbreitet, dass einem berufliche Positionen, die man schon einmal inne gehabt hat, auch zukünftig „zustehen“, genauso wie einem Jobs „zustehen“, die dem eigenen Qualifikationsniveau entsprechen. Aber genau damit liegt man falsch. Es gib keinen gesetzlichen Anspruch auf einen ehemaligen oder qualifikationsangemessenen Joblevel. Der Arbeitsmarkt schert sich nicht um überholte Vorstellungen. Und die Zeiten, in denen man erwarten konnte, dass die künftige Anstellung bis zum Ruhestand reichen wird, sind auch vorbei. Mehrfache Jobwechsel, Befristungen und Kündigungen werden im Lebenslauf zur Regel und damit auch die Notwendigkeit, sich von Zeit zu Zeit neu oder ganz umzuorientieren. Wer sich nicht flexibel auf das einstellen kann, was auf dem Arbeitsmarkt erhältlich ist, sondern nach einer Kündigung zu lange dem nachhängt, was man nicht (mehr) erreichen kann, wird am Ende mit leeren Händen dastehen. Die Herausforderung bei dem Vorgehen, sich zunächst auf Bewerbungen um Ideal-Jobs zu beschränken, liegt darin, sich im Zeitverlauf bewusst Schritt für Schritt davon zu lösen und immer mehr Stellengebote hinzuzunehmen, die verfügbarer, wenn auch weniger reizvoll sind. Spätestens wenn Sie zwei Monate davon entfernt sind, arbeitslos zu werden, sollten Sie die Tore weit öffnen und alles berücksichtigen, was Sie überhaupt und rechtzeitig vor einer Arbeitslosigkeit in Lohn und Brot bringen kann.


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